So erstellen Sie eine Bildbeschreibung

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Eine Bildbeschreibung ist nicht schwer. Und doch haben viele Menschen, egal ob Schüler, Studenten oder Kunstliebhaber, häufig Schwierigkeiten ein Bild treffend zu beschreiben. Dabei gibt es für eine gelungene Bildbeschreibung klare Regeln und Leitpfade. Sind diese erst einmal verinnerlicht, geht eine Bildbeschreibung leicht und schnell von der Hand. Wir erklären was eine gute Bildbeschreibung ausmacht und worauf Sie achten müssen.


1. Der Aufbau
Bildbeschreibungen ähneln sich in ihrem Aufbau und Merkmalen den Textinterpretationen.

Das Ziel einer guten Bildbeschreibung sollte es sein, das Bild in seiner Gesamtheit zu begreifen und darzustellen. Dazu gehört auch eine Bildanalyse. Eine Bildbeschreibung muss sinnvoll und logisch aufgebaut sein. Sie besteht aus einer Einleitung, Hauptteil und Schluss, bzw. dem Fazit. Folgende 3 Inhalte sind wesentlich:

- Die Beschreibung:
Hier wird beschrieben, was im Bild zu sehen ist. Was ist abgebildet? Was ist zentral? Was sind Details, die auffallen? Was steht im Vordergrund und was im Hintergrund?

- Die Beschaffenheit des Bildes:
- Welche Farben dominieren?
- Wie wirken diese?
- Was für ein Material wird verwendet?

Fazit:
- Wie wirkt das Bild auf den Betrachter?
- Für was steht das Bild?
- Was möchte der Künstler damit ausdrücken?

Außerdem wichtige Aspekte einer Bildinterpretation sind Blickrichtungen und Perspektive, das Hauptaugenmerk bzw. „Eyecatcher“ und die Blickführung.


2. Die Bildbetrachtung
Bevor ein Bild beschrieben werden kann, muss man lernen es richtig zu betrachten. Am besten man notiert sich dabei, alles was einem auffällt.

Besonders wichtig:

- Die Perspektive, die verwendet wird
- Eine Beschreibung aller Bildelemente
- Die Bilddarstellung und Komposition
- Die Farbgebung (Warme oder kalte Farben)
- Die Wirkung des Bildes auf den Betrachter

Nach der Betrachtung sollte man das Bild einordnen.

- Wer ist der Künstler?
- Zu welcher Epoche gehört das Bild?
- Wann ist es entstanden?

3. Die Einleitung
Die Einleitung gibt einen groben Überblick über das Bild und ordnet es in die entsprechende Epoche ein.

Folgende Punkte sollte die Einleitung umfassen:

- Der Titel des Bildes
- Der Künstler
- Die Bildquelle
- Das Entstehungsdatum
- Das Thema des Motivs

Keinesfalls sollte die Einleitung bereits Interpretationen oder Beschreibungen beinhalten. Das kommt in den Hauptteil. Außerdem sollte die Art des Bildes (Fotografie, Gemälde, Holzschnitt, etc.) in der Einleitung genannt werden.

Eine gelungene Einleitung könnte z.B. so aussehen:

„Das Gemälde Mona Lisa von Leonardo Da Vinci entstand zwischen 1503 und 1506 und wurde in Öl auf Pappelholz gemalt. Das Gemälde, das im Pariser Louvre ausgestellt ist, lässt sich der Epoche der italienischen Renaissance zuordnen und prägte die Kunstwelt nachhaltig.


4. Der Hauptteil:
Der Hauptteil ist das Herzstück der Bildbeschreibung. Beschreiben Sie hier die Bildelemente in sinnvoller Reihenfolge. Starten Sie entweder vom Gesamtbild ins Detail oder vom Detail ins Gesamtbild. Schreiben Sie im Präsens, deskriptiv und ohne Deutung. Es ergibt Sinn entweder zuerst den Vordergrund, die Mitte und dann den Hintergrund zu beschreiben, oder man beschreibt von links nach rechts.

Vordergrund:
- Was sieht man hauptsächlich?
- Wo liegt der Fokus des Bildmotivs?
- Was sticht ins Auge? Was ist auffällig?
- Wenn Personen im Bild zu sehen sind, wie schauen diese aus?
- Wie drückt ihre Gestik, Mimik und Erscheinung aus?

Mittelgrund:
- Was befindet sich zwischen Vorder- und Hintergrund?
- Wie sind diese miteinander verbunden?

Hintergrund:
- Welche Personen, Objekte, Gebäude, Landschaften sind dargestellt?
- Welche Stimmung wird vermitteln?
- Welche Rolle spielen dabei Farben und Licht (Tag, Nacht)?


4.1 Die Bildperspektive
Die Bildperspektive ist ein zentraler Aspekt einer jeden Bildbeschreibung.

- Welche Perspektive verwendet der Künstler?
- Schaut man von oben oder von unten auf das Bild herab, oder benutzt der Künstler eine Normalperspektive?

Jeder Bildwinkel und jede Perspektive hat eine bestimmte und gewollte Wirkung vom Künstler. Deswegen ist die Bildperspektive so wichtig.

Die Vogelperspektive:
- Man schaut von oben auf das Bildmotiv herab. Dadurch wirken Objekte kleiner, was z.B. Unterwürfigkeit und Unterlegenheit bedeuten kann.

Die Froschperspektive:
- Der genaue Gegensatz der Vogelperspektive. Hier schaut man von unten auf das Bildmotiv herauf. Eine Horizontlinie, die sich deutlich unterhalb der Bildmitte befindet, ist ein sicheres Zeichen für eine Froschperspektive. Dadurch erscheinen Objekte größer und suggerieren Gefühle von Dominanz und Macht.

Die Normalperspektive:
- Hier steht der Betrachter auf einer Ebene mit dem Abgebildeten. Dies suggeriert eine Identifikation mit dem Bildmotiv.


4.2. Die Vorgangsbeschreibung
Eine Vorgangsbeschreibung der Froschperspektive könnte beispielsweise wie folgt aussehen: „Durch die Verwendung der Froschperspektive wirkt das Bild verzerrt und der Betrachter schaut von unten auf die Figuren hinauf. Dies suggeriert Dominanz und Macht. Der Betrachter wird eingeschüchtert und fühlt sich kleiner.“ Außerdem achten sollte man bei einer Bildinterpretation auf folgendes:

Das Sujet und das zentrale Motiv des Bildes: Nicht immer liegt das Hauptaugenmerk auch im Vordergrund des Bildes.

- Welches ist die hauptsächliche Darstellungsebene? Gibt es noch weitere wichtige Nebendarstellungen?
- Gibt es Symbole, wie Kreuze oder Vögel im Bild?

Die Komposition:
Wie ist das Bild aufgebaut? Verschiedene Bildausschnitte erzielen nämlich unterschiedliche Wirkungen.
Ist das zentrale Motiv in einem räumlichen Rahmen platziert oder ist es freistehend? Die Komposition kann symmetrisch, asymmetrisch oder einseitig-asymmetrisch sein.

Blickführung:
Die Blickführung ist wichtig, denn sie entscheidet, wie der Betrachter das Bild wahrnimmt. Die Blickführung kann diagonal oder senkrecht sein.

Sonstige Details:
Was fällt sonst noch auf? In welchem Stil ist das Bild gemalt? Ist es eher düster, romantisch oder abstrakt? Hat es Tiefe, z.B. durch Licht und Schatten oder ist es flächig und eindimensional?

Ein gelungenes Beispiel für den Hauptteil einer Bildbeschreibungung des Gemäldes „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg:

„Das Bild zeigt einen Mann, der in einer Dachstube auf einer Matratze liegt. Der Dachboden ist spärlich eingerichtet. Auf der linken Seite sieht man ein Fenster, dass das Zimmer beleuchtet. Rechts hängt ein Regenschirm vom Dach, der den Schlafplatz des Mannes trocken hält. Das Dach ist wahrscheinlich undicht und Regen dringt hindurch. Im Vordergrund fällt links der Kachelofen und die Flasche mit Kerze und Schüssel auf. Im Ofen liegen Manuskripte, die offenbar wertlos sind. Außerdem ist auffällig, dass im Ofen kein Feuer brennt, obwohl es anscheinend kalt ist. Im Mittelgrund sieht man Bücher und zwei Schachteln, auf denen ein Tintenfass steht. Aufgrund des Titels liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Mann um einen Dichter handelt. Der Mann ist das zentrale Motiv des Bildes. Er trägt eine weiße Mütze und Brille und liegt unter einer Decke und lehnt sich an zwei große Kissen an. Er scheint zu arbeiten. Im Mittelgrund sieht man auch einen Regenschirm und links einen Zylinder. Vor dem Ofen liegt ein Stiefelknecht. Im Hintergrund befindet kleines Fenster. Vor dem Fenster hängt eine Wäscheleine samt Handtuch. Durch das Fenster sieht man Schnee bedeckte Dächer. Es ist Tag. Der Betrachter ist mit dem Poeten auf Augenhöhe, in einer Normalperspektive. Die Farben sind in einem warmen grünen Ton gehalten, was einen Kontrast zur Kälte darstellt. Die spartanische Einrichtung, das undichte Dach und der nicht beheizte Ofen, deuten, neben dem Titel, auf die Armut des Dichters hin.“


5. Der Schlussteil
Hier gehört eine kurze Zusammenfassung des Hauptteils und wesentlichen Merkmale des Bildes hinein. Eventuell ist auch eine kurze eigene Meinung zum Bild und seiner Wirkung notwendig. Außerdem sollte die Intention des Künstlers beantwortet werden, d.h. warum wurde das Bild vom Künstler so dargestellt und was möchte er damit aussagen?

Befolgt man all diese Tipps, wird die nächste Bildinterpretation oder Bildbeschreibung einfach von Hand gehen. Garantiert!

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